Mitternachtsgedanken

Aus dem Archiv

Kennt ihr diesen Zwischenraum in Verbindungen, die bereits auslaufen, aber noch nicht ganz beendet sind?
Dieser Schwebezustand zwischen „aus den Augen verlieren“ und „Kontaktabbruch“.

Eigentlich weiß man es, man fühlt es im Bauch. Man erinnert sich an das letzte Treffen, weiß dass es das letzte Treffen bleiben wird. Trotzdem sagt keiner von beiden was. Keiner löst es auf.

Ich bin nicht das erste Mal in meinem Leben in dieser Situation, dass eine Freundschaft einfach ihre Zeit gehabt hat und der Kontakt beginnt, einseitig zu werden. Ich kenne die gemischten Gefühle, die unklaren Signale, das Gedankenkarussell. Ich kenne diese verdammte Hoffnung, die mir immer wieder heimtückisch ins Ohr flüstert „Vielleicht ja doch“ und mich die Nachricht abschicken lässt. Nur um mir am Ende wieder wie ein Clown vorzukommen.

All das und trotzdem saß ich bis gerade eben noch da und habe darüber nachgedacht, was ich denn nun daraus machen soll.
Reden? Schweigen? Gehen? Bescheid geben? Abschied nehmen? Oder einfach; nichts?

Es mangelt mir nicht daran, zu erkennen, dass es nun einen Wendepunkt gibt. Mir mangelt es nicht an Einsicht, nicht an Verstand. Ich kann einfach nicht begreifen, wieso eine Verbindung, die so besonders war wie diese, nicht weiterhin in meinem Alltag existieren darf. Wie kann es sein, dass dieser besondere Mensch und diese besondere Zeit, die man zusammen erlebt hat, nun vorbei ist?

Wenn ich an diese kurze und intensive Freundschaft denke, geht mein Herz auf. Es war, als sei man sich einfach zum perfekten Zeitpunkt in die Arme gelaufen. Als hätte man sich die Hand gereicht, von der man nicht wusste, dass man sie gerade braucht. Als hätte man eine lange, warme Umarmung bekommen, nach der die Seele nur so geschrien hat. Unwissend, wie wichtig die wenige Zeit gemeinsam sein wird. Und kaum, dass man sich versieht, bleibt nur noch die Erinnerung.

Vielleicht liegt die Antwort gerade darin, dass nicht alles, was besonders ist, dafür bestimmt ist, alltäglich zu werden.

Auch wenn vielleicht die Sanduhr abgelaufen ist, die gemeinsame Zeit vorbei ist, bleibt alles was man erlebt hat, in einem Kämmerchen im Herzen. Es bleibt ein Ort, an den man gehen kann. Nur eben nicht im echten Leben. In der Erinnerung.

Vielleicht ist es ja doch so, dass alles ein Ende hat. Aber muss man deswegen die Tür zu donnern und beleidigt von dannen ziehen? Das erscheint mir unangebracht. Vielleicht muss man manchmal einfach eine neue Perspektive gewinnen. Die Verbindung ist nicht abgerissen, sie ist auf einer anderen Ebene. So muss ich nicht tschüß sagen, kann aber trotzdem weiterziehen. So bist du nicht weg, auch wenn du nicht da bist.

Und falls du das liest: Wenn du mich brauchst, bin ich für dich da.

Avatar von viktoria.boettinger

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