„Schreib mir, wenn du zuhause bist“
Liebe steckt in so vielen kleinen Dingen. In einer Nachricht, in einer Erinnerung, in einem Lächeln. In einem Kaffee, den du morgens ans Bett bekommst, in der Schokolade, die man vom Einkaufen mitgebracht bekommen hat, in den Worten „Wie geht es dir?“.
Stell dir vor, wie viel du jemandem bedeutest, der in seinem Urlaub innehält, nach der schönsten Postkarte sucht und sie dann mit einem kleinen Gruß an dich versendet. Welch wunderschöne Geste.
Stell dir vor, wie präsent du im Leben einer Person bist, die an deinem Geburtstag bis 00:00 Uhr wach bleibt, um dir als Erste zu gratulieren. Oder jemand, der dir morgens sofort nach dem Aufwachen eine Nachricht schreibt.
Stell dir vor, wie wichtig du jemandem bist, der dir einen Glücksbringer für deine Prüfungen schenkt. Er will dir zeigen, dass du in deiner Nervosität durchatmen kannst, dein kleines Glücksschweinchen betrachten kannst und dich geborgen fühlen kannst – „Ich bin für dich da, ob du es heute schaffst oder nicht.“ Das ist es doch, was uns die emotionale Stütze leistet – jemand da draußen denkt an uns und wünscht uns Erfolg, empfängt uns aber mit derselben warmen Umarmung, wenn wir scheitern.
All diese kleinen Gesten sollen uns sagen: „Ich fühle Liebe für dich.“ Wow.
Wir können auf so viele unterschiedliche Arten Liebe empfangen und Liebe versenden. Wir wissen meist genau, wie wir Liebe zeigen. Aber nicht immer, wie wir Liebe sehen. Manchmal verstehen wir uns vielleicht falsch und sind dann enttäuscht voneinander.
Für manche zählt vielleicht die Geste, für andere die Erinnerung. Manch einer drückt sich eher durch Worte aus, manch einer durch Taten. Für den einen ist es leichter, emotionalen Beistand zu leisten, als beim Umzug zu helfen. Und trotzdem meinen es beide gleich gut.
Von dem einen kriegt man Blumen zum Valentinstag, von dem anderen ein selbstgekochtes Essen. Und dabei wissen wir ja noch nicht einmal, wie viel es jemanden wirklich kostet, uns diese Geste schenken zu können. Vielleicht war der Strauß teurer als das Essen für diese Woche. Vielleicht wurde das selbstgekochte Essen bereits dreimal geübt. Und selbst wenn es nicht so ist, war diese Geste dazu bestimmt uns ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Alles, was Menschen für uns tun, hätten sie auch genauso gut lassen können. Aber sie haben sich dafür entschieden. Dafür, an uns zu denken und uns das wissen zu lassen. Wir sehen das nur, wenn wir auch hinschauen. Deswegen müssen wir vielleicht unseren Fokus stärker auf die Übersetzung von Liebe legen, statt nur auf Red Flags. Was dennoch genauso wichtig ist.
Auch wenn wir manchmal genervt sind von der andauernden Frage unserer Eltern, ob denn schon dies oder jenes von uns erledigt wurde. Die immer wiederkehrende Diskussion mit dem Partner über unsere ungesunden Gewohnheiten oder aber der kritische Blick der besten Freundin, wenn wir mal wieder erzählen: „ER hat mir wieder geschrieben.“ Liebe zeigt sich nicht nur durch Wohltaten, sondern auch manchmal durch Sorgen und Ermahnungen. Durch Kritik.
Stell dir vor, jeder würde dich zu 100 % so akzeptieren, wie du bist, dich niemals tadeln, nur loben und sagen, dass er dich perfekt findet, so wie du bist.
Weißt du, wer das macht?
Ein Verkäufer.
Aber deine Mutter wird sich um dich sorgen und dir viel zu viel Essen anbieten. Dein Vater wird dir Fahrtipps geben, obwohl du seit 8 Jahren deinen Führerschein hast. Dein Partner wird dir sagen, du sollst aufhören zu rauchen, auch wenn du selbst es als Genuss empfindest. Deine Freundin wird dich dafür kritisieren, immer wieder dieselben Fehler zu begehen, weil sie dabei war, als du traurig warst. Weil sie wollen, dass es uns gut geht.
Natürlich ist es auch an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass nicht jede Einmischung, nicht jede Kritik gut gemeint ist. Natürlich gibt es auch Menschen, die mit ihren ungefragten Ratschlägen, Besserwissereien und Kommentaren zu weit gehen und dabei mehr sich selbst im Sinn haben als ihr Gegenüber. Ich denke, diese Sorte ist gut erkennbar daran, ob die Person uns denn überhaupt zuhört. Ob sie uns richtig versteht. Oder die Kommentare in eine Richtung abdriften, bei der man sich am Ende innerlich sagt: „Du hast gar nichts verstanden.“ Wenn sich manche Gespräche anfühlen, als müsse man jeden Satz korrigieren, erklären, noch einmal neu aufbereiten, weil der andere uns nicht richtig versteht oder vielleicht auch gar nicht verstehen will, dann ist das auch keine liebevolle Kritik mehr. Dann ist es Arbeit.
Auch verstehen wir uns gegenseitig oft falsch, wenn wir einander Grenzen setzen. Wenn dich jemand darauf aufmerksam macht, dass du ihn verletzt hast, ist das nicht nur eine „harsche Grenze“ oder Gemecker, sondern der Versuch, dich in seinem Leben weiterhin wissen zu können. Du bist ihm so wichtig, dass er dich eigentlich gern behalten will. Aber nicht bedingungslos, sondern ohne Verletzungen. Das ist eine Chance für uns, etwas besser zu machen, den anderen besser kennenzulernen. Zwei Stühle, die näher zusammenrücken. Weil er will, dass du bleibst.
Liebe öffnet nicht nur Herzen, sondern auch Augen. Besonders für die Dinge, die wir selbst nicht sehen. Wie groß wohl der Unterschied zu unserer eigenen Perspektive wäre, wenn wir uns selbst durch die Augen der anderen betrachten könnten?
„Schreib mir, wenn du zuhause bist“, das ist keine Floskel an der Haustür. Das ist nicht etwas, das wir nebenbei sagen. Es ist vielmehr ein „Zwischen deiner Haustür und dieser Nachricht bist du Teil meiner Gedanken.“ Und so fährt es sich doch gleich viel sicherer.

Hinterlasse einen Kommentar