Semper Fidelis – treu für immer

Was ist das mit der Treue, dass sie uns zu fast allem überredet? Wieso sind wir für manche Menschen, zu so gut wie allem bereit? Wir gehen über unsere eigenen Grenzen weit hinaus und vergessen für einen kurzen Moment gar das, woran wir glauben. Wir vergessen uns, die Außenwelt, es gibt keine Regeln mehr, nur dich und mich, nur uns gemeinsam.

Das ist natürlich eine Extremsituation, aber trotzdem gelten dieselben Regeln. Wir sind treu gegenüber unseren Lebenspartnern, der Familie, Freunden, Kollegen, Kameraden. Weil wir eine gemeinsame Sache haben, an die wir glauben. Vielleicht an die Liebe, vielleicht an eine politische Einstellung, vielleicht verbindet uns ein gemeinsames Interesse. Was auch immer es ist: Wir glauben daran, gemeinsam.

„Zusammen sind wir immer stärker als allein“, das hat mein Vater zu mir gesagt, in Mitten eines heftigen Heulkrampfes. Und ich glaube daran. Denn dieser Satz hat mir instant 7 kg Ballast von den Schultern geworfen. Er hat mir damit gesagt: Du bist nicht allein.
Auch das ist Treue – Zusammenhalt. Alles was wir nicht allein schaffen, schaffen wir zusammen.

Das klingt wunderschön.

Wenn wir also treu sind, sind wir es nicht nur aus Überzeugung oder weil wir an eine Sache glauben, sondern besonders aus Liebe. Weil wir wollen, dass es klappt. Mit jemandem, für andere, wegen anderen. Es würde uns nicht in den Sinn kommen, unsere – ich nenne sie jetzt Kameraden – in irgendeiner Situation sich selbst zu überlassen. Wir würden buchstäblich bis zum Schluss an ihrer Seite bleiben, nur um ihnen zu zeigen, dass sie auf uns zählen können.

Die Grenzen zwischen Loyalität und Treue verschwimmen leicht. Während wir Treue mit einer inneren Haltung assoziieren, besonders den Lebenspartnern widmen, verbinden wir Loyalität eher mit einem Verhalten gegenüber unseren Freunden. Wer gegen dich ist, ist auch gegen mich.

Vielleicht verstehen wir da aber auch etwas falsch. Treue ist nicht nur „nicht fremdgehen“ und loyal zu sein, bedeutet nicht nur „ich stehe hinter dir“, beides kann auf viele Arten ausgedrückt und interpretiert werden. Für mich hat Treue nicht nur mit Intimität zu tun, sondern auch mit Unterstützung, mit Respekt. Ich respektiere dich, deine Gedanken, deine Grenzen. Und ich werde dich und was zu dir gehört wahren und darauf aufpassen. Loyalsein heißt nicht, blindes Folgen. Für mich ist es, durch Dick und Dünn zu gehen, in guten und schlechten Zeiten füreinander einzustehen, das Leben gemeinsam anzupacken. Wer gegen dich ist, ist nicht automatisch gegen mich. Aber ich bin trotzdem auf deiner Seite. Das heißt nicht, dass ich alles gut finde was tu machst, ich werde dich kritisieren und trotzdem lieben.

Ob treu oder loyal, beides ist allein unsere Entscheidung. Ich kann treu sein, ich kann loyal sein, ich kann aber auch beides nicht sein. Und es liegt nur an mir und meinen Handlungen. Klar können wir Einfluss darauf nehmen, indem wir anderen sagen was wir uns wünschen. Aber letztlich haben wir es nicht in der Hand.

Treue und Loyalität sind deshalb für mich ein Geschenk. Zu wissen, dass ich nicht im Stich gelassen werde, dass es da jemanden gibt, der an mich denkt, dem ich wichtig bin – auf seine Art, dass ich nicht allein bin auf dieser Welt. Das gibt mir das Gefühl, sehr geliebt zu werden. Und das wiederum, macht mich dankbar.

Avatar von viktoria.boettinger

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