Das habe ich mich gefragt, als ich über diesen Beitrag nachgedacht habe. Ich habe mich daran erinnert, was ich in den 20ern so gemacht habe; Ich war unterwegs, Freundschaften geschlossen, Kontakte abgebrochen, bin gereist, habe mich ausprobiert und Expertimente gemacht. Ich war jung, naiv, emotional, neugierig und abenteuerlustig. Ich bin es immer noch. Manch einer nennt das auch Findungsphase.

Das erste Mal musste ich Miete bezahlen, habe eigene Post bekommen und musste Verantwortung für meinen Alltag übernehmen. Die meiste Zeit aber, hatte ich eigentlich keine Ahnung was gerade passiert. Ich hab einfach mal gemacht. Mal hat es geklappt, mal nicht.

Jedoch kann ich mich sehr gut an das Gefühl erinnern, immer den Druck gehabt zu haben, dass ich jetzt alles richtig machen muss. Ich bin schließlich erwachsen und Erwachsene wissen, was sie tun. Daran habe ich meine ganze Kindheit geglaubt. Aber als ich erwachsen wurde und feststellen musste, dass es ganz und gar nicht so ist, dass „Erwachsene wissen was sie tun“, hat mir das manchmal schon eine ziemliche Angst gemacht. Woher sollte ich das alles wissen?

Wieso denken wir, dass Menschen alles wissen müssen? Einfach so?

Als ich meine Freundinnen fragte, wie sie ihre 20er erlebt haben, ging es den meisten nicht anders. Zwar auf die unterschiedlichsten Arten, aber im Grunde haben wir alle improvisiert.

Während die eine bereits mit 18 „den Richtigen“ gefunden hat und in ihren 20ern mit ihm ein gemeinsames Leben erschaffen hat, hat die andere es wild auf Partys krachen lassen. Während die eine früh Mutter wurde, ist die andere fremdgegangen. Während eine Karriere macht, macht die andere eine Weltreise.

Es gibt so viele bunte Konstellationen und Lebensmodelle. Trotzdem hatte jede von Ihnen auf ihre eigene Art „Druck“.

„Wollt ihr nicht endlich mal heiraten?“

„Wann kommt das erste Kind?“

„Was studierst du?“

„Die 20er musst du nutzen!“

Und schon geht man vielleicht Wege, die man vielleicht nicht gegangen wäre. Zumindest nicht sofort. Man übersieht vielleicht Chancen, weil der Blick nur nach vorne gerichtet ist, um den geraden Weg zu gehen.

Die 20er sind bunt – keine Frage. Aber so ganz zufrieden machen sie irgendwie nicht. Nicht weil wir zu wenig Möglichkeiten hätten, sondern weil wir so dringend die richtige Entscheidung treffen wollen, dass wir immer wieder stehen bleiben müssen, um alle Risiken abzuwägen.

Vielleicht sind wir öfter mal unzufrieden, weil wir nicht wirklich das machen, was wir eigentlich wollen. Wir hören viel auf andere, besonders auf Ratschläge von der Familie. Weil: „Erwachsene wissen was sie tun“. Es mag schon sein, dass unsere Eltern für sich selbst alles richtig gemacht haben, aber müssen wir es deshalb genauso machen? Müssen wir studieren, sparen, ein Haus kaufen, heiraten, Kinder kriegen, Kredit bezahlen, 40 Jahre im selben Unternehmen arbeiten – weil man das halt so macht? Und wenn ja, wer ist „man“? Bin ich das?

Nein. Also mich selbst sehe ich das nicht tun.

Ich will niemanden verurteilen, der genau diesen Weg für sich wählt. Wäre er so schlecht, wäre er wohl kaum so beliebt. Dieser Lebensentwurf ist kein Problem. Aber zu denken, dass nur dieser der richtige ist, ist schon ein Problem.

Letztlich sind wir alte Teenager. Wir sollten uns mit 24 noch gar nicht festlegen müssen, welchen Job wir mit 63 noch machen wollen. Wir sollten nicht Kinder kriegen, nur weil andere Kinder kriegen. Wir sollten auch kein Haus kaufen, nur weil das angeblich die beste Altersvorsorge der Vorgeneration war.

Vielleicht versuchen wir zu oft, uns in alte Muster und Erwartungen zu drängen, als würde man ein Backförmchen auf uns drücken, damit wir genau richtig sind. Genau richtig für den geraden Weg.

Aber nicht jeder Weg ist gerade gepflastert. Manch einer ist ein Mosaik.

Rückblickend betrachtet finde ich, ich hätte mir nicht immer um alles so unfassbar große Sorgen machen sollen. Es klappt am Ende eh, oder auch nicht, aber dann ist das auch besser so. Man sollte nicht alles kriegen, was man sich wünscht.

Ich habe mich gefragt was ich meinem 20-jährigen Ich für einen Rat geben würde, mit meinen weisen 30 Jahren.

„Scheiß drauf, du musst gar nichts, außer sterben irgendwann.“ Das wäre mein Rat gewesen. Es spielt keine Rolle was die anderen denken, es spielt keine Rolle ob das heute perfekt wird.

Auch meine Freundinnen habe ich gefragt, was sie gesagt hätten.

„Du kannst Dinge verändern.“

„Pflege deine Freundschaften.“

„Überlege dir, ob du das wirklich so brauchst.“

„Trau dich!“

Aber habt ihr irgendwo etwas von „Mach alles richtig“ gelesen?

Avatar von viktoria.boettinger

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